Philosophie

Stoische Ruhe? Ist mir egal. – Marcus Aurelius und Solschenizyn.

Die Frisur zeigt, wie egal ihm alles war.

Im letzten Artikel über Politik habe ich Solschenizyn und seine Philosophie erwähnt. Selbst im Gulag ist er glücklichen Menschen begegnet,
weil Sie Ihre Erwartungen komplett heruntergefahren haben und Ihr Gemütszustand nur noch von ihrem Inneren abhängig war.

Stoizismus oder Stoa nennt man diese Philosophie.
Was ich dem Artikel nur angedeutet habe, möchte ich hier nochmal zum Thema machen.
Die meisten Menschen machen sich ihr Unglück selbst, wobei es so verdammt einfach wäre, glücklich zu sein.
Arme Länder sind auf dem weltweiten Glücksindex ganz oben. Reiche berühmte Menschen bringen sich um, weil sie unglücklich sind.
Depression mag eine körperliche Krankheit sein, aber es wird einen Grund geben, warum Depression in Wohlstandsregionen höher verbreitet ist.

Man darf seine Gefühle nicht unterdrücken!
Es tut gut seinem Ärger Luft zu machen. Es ist wichtig zu trauern, wenn es angebracht ist.
Aber die meisten Leute regen sich über rote Ampeln auf. Sie sind traurig, wenn ihre Kugel Eis aus der Waffel fällt und sie können über Wochen nicht vergessen, wenn andere Menschen sich nicht so verhalten haben, wie sie es sich gewünscht haben.
Wir müssen aufhören unsere Probleme selbst zu erschaffen, nur um unter ihnen zu leiden!

Die Stoa besagt, dass jeder Mensch von zerstörerischen Emotionen geleitet wird. Emotionen, die an ihm nagen und denen er wie ein Schmetterling
im Sturm ausgeliefert ist. Diese Emotionen können wir durch die richtige Denkweise vermeiden und kontrollieren. Ähnlich wie im Buddhismus bestimmen wir selbst, wie es uns geht und lassen äußere Umstände nicht an uns ran.

Ich werde nie vergessen, wie ein Buddhist sich selbst angezündet hat und einfach da saß, bis er gestorben ist. Selbst Feuer hatte keinen Einfluss auf seinen Gemütszustand!

„Krank und doch glücklich.
Todkrank und doch glücklich.
Im Exil und doch glücklich.
In Schande und doch glücklich.“

– Marcus Aurelius

Eine andere Gemeinsamkeit zum Buddhismus ist die Tatsache, dass man sich vollkommen auf den Augenblick konzentrieren muss. Menschen, die in der Vergangenheit leben, werden nicht glücklich. Menschen, die ständig in der Zukunft leben, werden nicht glücklich. Das größte Glück verspüren wir nur in den Momenten, in denen wir völlig aufmerksam sind. In denen wir alles was früher passiert ist und was auf uns zukommt vergessen.

Hier möchte ich meinen Kommentar einpflegen:
Ich bin kein Stoiker und halte extremen Stoizismus nicht für das optimale Leben. Man kann nicht auf Dauer Leben als gäbe es kein Gestern und kein Morgen. Hier gilt es abzuwägen. Wann kontrolliere ich die Zeit und wann kontrolliert sie mich?

Man sollte seine Vergangenheit verarbeiten und eine stringente Geschichte daraus machen. Man sollte Zukunftspläne schmieden und diese ausführen.
Aber man darf sich nicht davon kontrollieren lassen. Wer immer noch von alten Erinnerungen geplagt wird, hat diese noch nicht verarbeitet.
Wer immer von Zukunftssorgen geplagt wird, hat nicht verstanden, dass er die Zukunft nicht kontrollieren kann.

Es mag hart klingen, aber man darf einfach keine Erwartungen haben. Man kann gewisse Menschen auf gewisse Weise beeinflussen, aber letzendlich hat man nunmal keine Kontrolle über andere Menschen. Wir wissen nicht was in ihnen vor geht. Wir wissen nicht, warum sie welche Entscheidungen treffen.
Erst wenn wir akzeptieren, dass wir andere Menschen nicht kontrollieren können, haben wir ein gesundes Verhältnis zur Zukunft und können ohne Erwartungen glücklich nach vorne schauen.

Stoiker sind keine hilflosen Kinder! Ganz im Gegenteil ! Stoiker sind die diszipliniertesten Menschen, denen ihr je begegnen werdet!
Wenn wir aufhören andere Menschen kontrollieren zu wollen, machen wir einen Haufen Zeit und Energie in unserem Leben frei. Zeit und Energie, die wir in uns selbst stecken können! In den einzigen Menschen auf der Welt, den wir kontrollieren können. Wenn wir es denn wirklich wollen.
90 % der Dinge, die ich tue, tue ich, obwohl ich weiß, dass sie nicht gut für mich sind. Ich esse nicht immer, wie ein Ernährungsexperte. Ich treibe nicht die optimale Menge an Sport. Ich philosophiere zu wenig und wieviel Zeit ich damit verschwende an Sex zu denken, darf ich gar nicht nachrechnen!
90% der Dinge! Ohne Stoa? Da wären es 99%.
Eine Produktivitätssteigerung um das 10-fache!

Der Weg zum Stoiker ist geprägt von Ritualen.
Man kann nicht von heute auf morgen ändern, wie man denkt. Wir sind keine Roboter. Wir sind geprägt von Emotionen und Gewohnheiten. Diese müssen wir Schritt für Schritt ändern und das machen wir durch tägliche Rituale. Ich rede gerne mit mir selbst. In der Bahn. Während andere Menschen mich komisch angucken!

(Das war ein Scherz! War er witzig? Hat es funktioniert? Bitte lacht! LACHT! LACHT GEFÄLLIGST, VERDAMMT NOCHMAL! Ach ja. Ich kann euch ja nicht kontrollieren…)

In meinem Kopf rede ich aber tatsächlich gerne mit mir selbst. An einem guten Tag, hab ich mir folgendes schon zehn Mal selbst gesagt, bevor ich das Haus verlasse:

„Ich kann andere Menschen nicht kontrollieren. Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen“

Marcus Aurelius bereitet sich auf seinen Tag vor , indem er sagt:

„Heute werde ich undankbare, gewalttätige, verräterische, neidische und ungroßzügige Menschen treffen.
Die ganze Ignoranz vom echten Guten und Bösen.
Ich kann weder von ihnen verletzt werden, weil niemand mich auf die schlechte Seite ziehen kann,
noch kann ich böse auf meinen Mitmenschen werden oder ihn hassen, weil wir auf die Welt gekommen sind, um zusammen zu arbeiten.“

Das ist meine persönliche Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche. Die englische Version ist eine Übersetzung aus dem Lateinischen.
Deshalb liest es sich auch ein wenig so, als hätte man google.translate ein paar mal zu oft benutzt.
Ich fasse in eigenen Worten zusammen:

„Heute werde ich Vollidioten und Arschlöcher treffen. Das ganze Paket von Gut bis Böse.
SIE können mir nichts, weil ich mich nicht von ihnen runterziehen lasse. Ich kann IHNEN nichts, weil sie eben menschlich sind..“

Was ich mir von den Stoikern abgeguckt habe ist zweierlei:
Ich habe keine Erwartungen. Keine geringen Erwartungen. Keine hohen Erwartungen. Ich gehe einfach raus und gucke, was der Tag so bringt.
Ich behersche nur mich selbst. Und nicht einmal das, kann ich besonders gut.

Hakuna Matata! Verinnerlicht diese Philosophie und ihr werden nie wieder unglücklich sein! Es sei denn, ihr tretet auf einen Legostein.
Das könnte nichtmal Buddha verkraften.

 

Grüße

Anton

 

 

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