Personal Development

Nieder mit dem Perfektionismus!

Es gibt ein Paradoxon von Zeno, dass besagt, dass ein Pfeil, der den Abstand zu seinem Ziel mit jeder Sekunde halbiert, niemals sein Ziel erreicht, obwohl er sich immer fortbewegt.

So ähnlich fühlt sich Perfektionismus an. Wenn wir etwas Kreatives machen und ein Produkt oder einen Text haben,  dann lernen wir während des kreativen Prozesses soviele neue Dinge, dass wir am liebsten nochmal beginnen wollen, weil unsere Ansprüche gestiegen sind.Mit jedem Werk verschiebt sich unser Zeil also nach vorne, so dass wir nie wirklich zufrieden sind. Es gibt Künstler, die einen Großteil ihrer Werke vernichtet haben und Sänger, die ihre alten Lieder verabscheuen und nie wieder singen wollen, weil sie sich soweit entwickelt haben,dass sie sich dafür schämen.

Für Andere ist der Gedanke etwas nicht perfektes zu produzieren und dafür verurteilt zu werden so lähmend, dass sie es nicht schaffen sich überhaupt dazu überwinden können, mit der Arbeit zu beginnen. Ich persönlich schiebe meine Youtubevideos seit Monaten vor mir her, weil meine monotone Stimme und meine introvertierte Natur einfach schwer zu überwinden sind. Ich habe gerade meine ersten Tonaufzeichnungen verfasst und es graut mir davor, mein Gerede nochmal anzuhören oder einem Publikum auszusetzen. Viele meiner Artikel sind auch halbgar, weil ich mit jedem Wort, das ich schreibe, so viele Fortschritte mache, dass ich am liebsten alles löschen und neu beginnen würde.

Die einzige Möglichkeit für mich, dieses Dilemma zu überwinden, ist es mich mit jedem Schritt zu verbessern und nicht zurückzublicken, solange ich Ideen habe, wie ich es beim nächsten Mal besser machen kann.

Die zweite Stufe der Kompetenz ist wirklich der größte Feind kreativer Menschen. Die zweite Stufe ist nämlich, die bewusste Inkompetenz. Ich weiß genau, wie sich ein gut geschriebener ausführlicher und unterhaltsamer Artikel liest, aber die Menge an Verbesserungsmöglichkeiten zu meinem aktuellen Schreibstil ist so vielfältig, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, mich zum Schreiben zu überwinden. Es gibt soviele bessere Autoren, wer liest meinen Blödsinn?

Aber ohne daran zu arbeiten und Übung zu sammeln, werde ich keine Fortschritte machen können und ohne meine Produkte herauszubringen, werde ich meine Fortschritte nicht sehen können und ohne dieses „Oh Gott, dass hätte ich besser machen können“-Gefühl, würde mir auch die Motivation fehlen, mich zu verbessern. Also macht euch auf viele vor Fehlern und Makeln triefende Artikel und Videos gefasst, denn solange ich weiß, dass ich mich verbessert habe, werde ich nicht damit aufhören.

 

P.S.:

Ich weiß zum Beispiel, dass meinen Artikeln oft die Struktur fehlt, weil ich aus der Laune heraus schreibe und oft Gedanken niederschreibe die ich tatsächlich erst vor wenigen Sekunden gehabt habe, aber mit jeder Regel und Strukturierung verliere ich die Motivation zu schreiben, während diese Art im Gedankenfluss zu schreiben sich für mich natürlich anfühlt, als würde ich mich mit einem Freund unterhalten und einen Einblick in meine Gedanken und mein Weltbild gewähren.

 

Gruß

Anton Jonas

2 thoughts on “Nieder mit dem Perfektionismus!

  1. Hallo Anton,

    eben gerade habe ich eine sehr „schöne“ Erfahrung in Sachen „Fehler“ gemacht. Ich habe den Kommentar direkt hier in diesem Feld geschrieben und plötzlich ging mein IE nicht mehr, die Homepage wurde neu geladen und der komplette Text war futsch. Das war mir schon mal passiert und dann wollte ich es vorschreiben, habs diesmal vergessen. Wie auch immer, nur mal so zum Thema „Fehler machen“, interessant dass es auch gerade jetzt und hier passierte.

    Ich hoffe, ich bekomme es dennoch zusammen:
    Perfektionismus ist so ein Thema wie Multitasking. Beides gern gesehen, aber nicht wirklich realisierbar.

    An sich ist es etwas gutes, perfekt sein zu wollen. Man ist motiviert, sich zu verbessern, zu entwickeln und eben weiter zu kommen. Doch der Clou ist, dabei Fehler zu machen. Ohne Fehler kommen wir nicht weiter. Und rein logisch ist es doch so, dass wir lernen, also wenn wir es schon wüssten, bräuchten wir es nicht zu lernen.

    Doch irgendjemand, irgendwo, irgendwann hat uns diesen komischen Gedanken in die Köpfe gepflanzt, Fehler seien schlecht. Wenn ich an die Schule denke, man wird gerügt, wenn man Fehler macht und hoch gelobt, wenn man alles perfekt macht. Irgendwie krank, oder? Klar, es kann ja darauf aufmerksam gemacht werden, was falsch ist, aber eben auf eine konstruktive Weise und nicht mit einem dicken roten Strich das Wort durchstreichen.

    Ich bin mittlerweile dabei, das zu ändern, für mich. Ich erwische mich nach wie vor immer wieder dabei, mich innerlich selbst zu „zerfleischen“, wenn mal wieder was schief läuft. Aber jedes Mal ein wenig mehr komme ich darauf, dass es nicht so schlimm ist und konzentriere mich lieber darauf, es beim nächsten Mal besser zu machen.

    Schön, dass es solche Artikel gibt, die uns immer mal darauf aufmerksam machen.

    1. Schön gesagt. 🙂
      Aber ich würde Kritiker nicht so harsch kritisieren. Es ist meistens ja auch gut gemeint, einen Fehler zu unterstreichen und eine Wiederholung unwahrscheinlicher zu machen.
      Es geht sicher konstruktiver, aber krank ist es nicht.

      Wenn man ein gesundes Selbstbild hat, dann wird man nicht von fremden Ansichten aus der Bahn geworfen.
      Und da bist du ja auf dem richtigen Weg, wenn du dir abgewöhnst dich selbst zu zerfleischen.

      Meistens ist es auch leichter kleine Fortschritte zu erzielen, wenn man seine Schwächen akzeptiert und umkurvt, statt sich mit aller Gewalt dagegen zu stemmen.

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