Philosophie

Meine 24 Stunden ohne Input

Hier ist mein Journal zum Experiment „24 Stunden ohne Input“.  Ich wäre überrascht, wenn ihr hinter dem Chaos ein System findet. Ich habe einfach Dinge aufgeschrieben, wie sie mir durch den Kopf gegangen sind.

Die Regeln sind einfach, keine Musik, keine Bücher, keine Zeitschriften, keine Zeitungen, keine Computer, keine Fernseher, kein Smartphone. Ich habe im Prinzip 24 Stunden verbracht ohne fremde Informationen verarbeiten zu müssen. Keine Unterhaltung und keine Ablenkung. 24 Stunden nur ich und meine Gedanken.

 

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  • Habe geduscht ohne vorher zu überlegen „Soll ich vielleicht erst später duschen, wenn ich geschwitzt habe?“
  • Habe mich rasiert ohne vorher zu überlegen, ob die Stoppeln kurz genug sind um bis morgen zu warten
  • Habe mir die Zähne geputzt ohne zu fragen, ob ich warten sollte, bis ich gegessen habe
  • Habe entschieden mir die Achseln zu rasieren, weil ich schon immer wissen wollte wie sich das anfühlt und wie schnell es nachwächst
  • Habe auf dem Balkon Tee getrunken
  • Habe den Artikel „Haben Menschen das Denken verlernt“ verfasst
  • 90 nach dem der Wecker (vergessen ihn abzustellen) aufgestanden, weil Müdigkeit schwerer zu ignorieren ist, wenn keine Ablenkung/Unterhaltung wartet
  • Halbe Stunde über Tattoos nachgedacht und zum Schluss gekommen, das Tattoos heutzutage besser zu Frauen passen, weil sie Eisbrecher/Gesprächsstoff bieten
  • Beim Achselrasieren ein Muttermal, das sich am Rand verfärbt. Erster Gedanke „Krebs! Schnell zu Google!“. Zweiter Gedanke „Nein. Guck morgen nach und Krebs sieht anders aus.“ Dritter Gedanke: „Geh einfach demnächst zum Hautarzt, du Depp!“
  • Angefangen Notizen über den Tag zu machen und bereits eine Din-A4 Seite gefüllt. 12.11
  • Mich ertappt, wie ich wild nach Gründen suche, warum ich jetzt nicht meditieren sollte und zum Schluss gekommen, statt zu meditieren, diesen Gedanken aufzuschreiben und zu hoffen, dass ich mir etwas überlegt habe sobald ich mit diesem Satz fertig bin.
  • Fehlschlag, werde jetzt Meditieren. 🙁
  • Habe 6-7 Minuten meditiert. Bodyscape mit „möge ich gesund sein, möge ich glücklich sein, möge ich frei von Leiden sein“- Mantra- und das Unterbewusstsein wollte mich ernsthaft mit „Aufräumen“ ablenken. „Hey du könnntest stattdessen die Unordnung beseitigen!“ Wow, was für ein verlockender Gedanke…
  • Habe trotz des sarkastischen Tones in der letzten Notiz aufgeräumt, weil ich tatsächlich kein Fan von Unordnung bin, seit dem ich das „Ich hasse Unordnung“ Mantra in mein Meditations-Repertoire aufgenommen habe. 12:34
  • „Ich könnte die Fenster putzen“ sage ich zu mir. „Hehe, ja klar, als hätte ich nichts… Verdammt, ich habe tatsächlich nicht besseres zu tun!“ 13:13
  • habe beim Händewaschen Schuhabdrücke im Flur entdeckt und mit Scheuermilch entfernt, mir gefällt nicht, was ein paar Stunden ohne Input aus mir gemacht haben. Was mache ich, wenn mir die Haushaltstätigkeiten ausgehen? 13:19
  • Die Frage, ob das Fensterputzen etwas gebracht hat, beantwortete sich gerade von selbst als ich von der Couch aus all die Stellen entdeckte, die ich nicht erwischt habe, werde aber aus Trotz Tee trinken statt schon wieder zu putzen 13:20
  • Der Tee ist kalt und ich bin enttäuscht. Zeit für ein Frustnickerchen 13:23
  • Kann mich nicht an mein letztes 90 Minuten Nickerchen erinnern und mein übereifriger Arm scheint entschieden zu haben auch einzuschlafen. Eine gelungene Mission auf ganzer Linie 14:59
  • Essen ohne Ablenkung habe ich bereits früher probiert, aber leichter ist es nichts geworden. Der Blick schweift umher, auf verzweifelter Suche nach Ablenkung. Der Magen täuscht zu früh Sattheit vor und das Kauen wirkt schwerer und langsamer als sonst. Mein schweifender Blick hat auch das Nasenspray erfasst, das scheinbar seit 7 Jahren vermieden hat mir das abgelaufene Datum zu zeigen. Respekt! Habe starken Impuls „Nasenspray abgelaufen“ zu googlen, aber ich bleibe stark! 15:35
  • Im Gegensatz zum Essen, könnte ich den ganzen Tag kochen. Dinge in eine Pfanne zu schmeissen und umzurühren wirkt sehr entspannend auf mich und mein Verstand versucht nicht verzweifelt etwas spannenderes zu finden. 16:05
  • Schreiben hat das Spielen ersetzt und die meisten meiner schweifenden Gedanken handeln davon, was ich denn als nächstes schreiben könnte. Bis dato existieren 6 Din A4 Seiten. 16:15
  • Mir kommen erste Zweifel daran, wie viel von meinem Geschreibe ich digitalisieren kann, bevor ich vergesse was ich meinte und meine Handschrift ein zu großes Hindernis wird 16:52
  • Gerade zweite Mahlzeit gehabt. Mitteilungsbedürfnis erschöpft. Zeit für Nickerchen oder Meditation. 17:04
  • Habe auf der Couch herumgelungert und gedenke das auch fortzusetzen, aber die Idee gleich Ideen für Youtubevideos aufzuschreiben gehört notiert. 17:20
  • Es ist gerade eine interessante Frage aufgekommen, über die es sich nachzudenken lohnt: Ist es Input, wenn ich lese was ich heute erst geschrieben habe? Ich wollte an den ersten Artikel anknüpfen, den ich heute morgen geschrieben habe, aber mir ist bis auf die Überschrift alles entgangen. Werde mich vorerst lieber neuen Themen widmen 17:51
  • Fange endlich an zu planen, wie ich andere Menschen coachen würde, wenn ich es als Dienstleistung anbieten würde. 18:30
  • Habe soeben das erste und das letzte Kapitel eines Romans verfasst. Was für ein Schocker für jeder, der bis zum Ende lesen wird!
  • 20:48 Langsam wird es schwierig bin erschöpft vom Schreiben, habe Hunger aber keine Lust zu essen und fange an darüber zu fantasieren, was ich machen werde, wenn die Digitaluhr 12 schlägt.
  • 21:40 Liege seit 40 Minuten auf der Couch und werfe einen Ball in die Luft. Wäre dies ein wissenschaftliches Experiment würde ich sagen, dass ich die Produktivität um 21 Uhr eingestellt habe. Das nächste Experiment wird garantiert mindestens 3 Stunden kürzer
  • 21:44 Fange an darüber nachzudenken, ob ich diese Woche zuviele Tomaten ( 2 Tomaten und 2 Dosen [ je 400gr] gehackte Tomaten) gegessen habe, weil meine Haut rötlicher zu sein scheint als sonst.
  • 23:24 habe ein wenig gespült und ein bißchen gewischt, ansonsten völlig nutzlos herumgelungert und meine Disziplin dafür genutzt das Experiment nicht frühzeitig abzubrechen. Noch 33 Minuten( ja das Schreiben hat mich 3 Minuten gekostet)
  • Noch 8 Minuten! Produktivität immer noch gleich null. Es ist nicht vorhersehbar ob ich heute zu einer vernünftigen Zeit schlagen gehen werde. Einerseits bin ich erschöpft andererseits habe ich meine ganze Disziplin aufgebraucht und werde diese brauchen, um mich vom PC loszureissen.

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