Philosophie

Glück aus der Tube

Glück aus der (You)-Tube  🙂 Das Wortspiel konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Thema des heutigen Kommentars ist ein Youtube Video von Psychologe Dan Gilbert, in dem er uns erklärt, wie unser Gehirn dazu fähig ist, Glück künstlich herzustellen.

Was ist das besondere an unserem Gehirn?

Im Laufe der Evolution hat sich das Gewicht unseres Gehirns im Vergleich zu unseren Vorfahren auf das Dreifache gesteigert. Den größten Anteil an dieser Vergrößerung hat der präfrontale Kortex. Der präfrontale Kortex ist zu vielem im Stande und einiges davon habe ich bereits in anderen Artikeln erwähnt, aber hier spielt seine Fähigkeit, die Zukunft zu simulieren die größte Rolle.

Die Fähigkeit innerhalb von Sekundenbruchteilen verschiedenste Szenarien im Kopf durchzugehen und anhand dessen eine Entscheidung zu treffen ist laut Gilbert ein evolutionärer Fortschritt auf dem selben Level mit dem abspreizbaren Daumen, dem aufrechten Gang und der Sprache.

Wie gut können wir Glück vorhersagen?

Ein Problem mit dieser Fähigkeit ist allerdings, dass wir die Auswirkungen unserer Entscheidungen maßlos überschätzen. Gilbert hat das ganze mit einem Experiment nachgewiesen.

Die Frage: Wer ist 1 Jahr nach diesem Ereignis glücklicher? Der Lotto-Gewinner oder der Mann, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt ?

Unsere Antwort: Der Lotto-Gewinner natürlich!

Die richtige Antwort: Nach einem Jahr bewerten beide ihr Leben statistisch betrachtet auf einer Skala von 0-100 bei 50 Punkten.

Wie können wir dermaßen falsch liegen?Wir sind uns nicht bewusst, dass Glück künstlich im Gehirn produziert werden kann. Dazu 3 Fallbeispiele:

Gilbert zitiert 3 Leute die sagen, wie viel besser es ihnen heute geht und, dass sie nichts bereuen.

Wer sind diese 3 Leute?

1. Amerikanischer Politiker, der alles verloren hat und in Schande abtreten musste, weil seine krummen Geschäfte aufgedeckt wurden

2. Ein Mann, der im Seniorenalter aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er unschuldig Jahrzehnte verbrachte

3. Jemand, der die McDonalds Brüder davon überzeugt hat aus ihrem Restaurant eine Kette zu machen, dessen Bruder aber nicht bereit war ihm Geld zu leihen um selbst dort zu investieren

Und ein Bonus:

Pete Best, der originelle Schlagzeuger der Beatles, bevor Ringo seinen Job übernahm. Anscheinend geht es ihm als Studiomusiker auch deutlich besser, als es ihm als weltberühmter und reicher Superstar ergangen wäre. 🙂

Was lernen wir daraus?

1. Sammle Reichtum,Macht und Ruhm. Dann verliere es.

2. Gehe möglichst lange ins Gefängnis.

3. Mache jemand anderen reich.

4. Trete nicht den Beatles bei.

 

Aber wir glauben ihnen nicht! Wir lesen das, schütteln mit dem Kopf und denken „Ja klar doch!… Natürlich!“

Der Grund dafür ist die Unterscheidung zwischen synthetischem und natürlichem Glück.

Synthetisches(künstliches) Glück ist es, wenn wir  wollen was wir bekommen habenNatürliches Glück ist es, wenn wir bekommen was wir wollten.

Wir glauben, dass synthetisches Glück deutlich schlechter sei!

Warum tun wir das so hartnäckig?  Ohne Streben nach natürlichem Glück treibt niemand die Wirtschaft an! Stellt euch ein Einkaufszentrum voller glücklicher Zen-Mönche vor!

Die Wahrheit über den Unterschied:

Das nächste Experiment:

Jeder Teilnehmer bekommt 6 Objekte (6 Bilder zum Beispiel) und die Aufgabe diese danach zu sortieren, wie sehr sie ihm gefallen. Anschließend bekommt der Teilnehmer die Chance sich eines dieser Objekte auszuwählen, aber leider hat man nur die Objekte 3 und 4 aus seiner Rangliste.

Selbstverständlich wählt jeder die Nummer 3, schließlich hat man ja schon gesagt, dass man die 3 besser findet.

Ein paar Wochen später kommen die Teilnehmer wieder und sollen die selben 6 Objekte sortieren.

Was passiert? Auf einmal ist Objekt Nr.3 zu Nr.2 geworden und Objekt Nr.4 springt runter auf die Nr.5.Unsere Wahrnehmung hat sich verändert um unsere Wahl zu bestätigen und damit glücklicher zu werden.

Immer noch Zweifel, dass es sich um authentische Gefühle handelt?

Man hat das selbe Experiment mit Patienten durchgeführt, deren Gedächtnis sich auf maximal 10 Minuten beschränkt. Sie konnten sich also nicht daran erinnern, welches Produkt sie beim ersten Treffen ausgewählt haben und wie haben sie die Objekte im zweiten Durchgang bewertet? Ebenso wie die anderen Studienteilnehmer ! Das ausgewählte Objekt hat nicht ihre Erinnerung verändert, aber es hat ihren Geschmack verändert.Die Entscheidung die Nr. 3 zu mögen hat dafür gesorgt, dass sie die 3 auf einmal mehr mögen als die 2. Und das für immer!

Schwer Amnesiepatienten zu unterstellen, dass sie sich etwas schönreden oder?

Freiheit hilft uns zwar auf der Suche nach natürlichem Glück aber es schadet der Produktion von synthetischem Glück.

Unser Gehirn produziert erst künstliches Glück, wenn alle anderen Auswege versperrt sind. Eine Entscheidung, die man jederzeit rückgängig machen kann, wird uns also niemals (künstlich) glücklich machen können.

Nicht ganz überraschend ist es, dass Gilbert auch dafür ein Experiment parat hatte:

Die Teilnehmer dieser Studie waren in einem Fotografie-Kurs, in dem sie 12 Fotos machen und anschließend die 2 besten belichten und auf großem Hochglanzdruck zurechtmachen. Anschließend sagt man ihnen, der Kurs braucht eines dieser Fotos als Leistungsnachweis und sie könnten aussuchen, welches sie mitnehmen wollen.

Hier wird der Kurs in zwei Gruppen geteilt.

Zu Gruppe A sagt man: „Wir haben 4 Tage Zeit, bevor wir das Foto abschicken müssen. Überlege es dir in der Zeit so oft du willst. Komm einfach vorbei und wir tauschen die Fotos jederzeit um.“

Zu Gruppe B sagt man: „Wir müssen die Fotos in 2 Stunden abschicken. Wähle jetzt eins aus und das andere ist für immer weg!“

Überraschend (wenn man den Tenor dieses Artikels ignoriert) ist es, dass nach diesen 4 Tagen Gruppe B deutlich glücklicher mit ihrer Wahl ist, während Gruppe A überzeugt davon ist, die falsche Wahl getroffen zu haben, obwohl sie mehrfach Gelegenheit hatten die Wahl zu ändern und davon auch Gebrauch gemacht haben.
Wir sind uns dieses Effekts nicht bewusst:

Bei einer weiteren Gruppe hat man dasselbe Experiment gemacht. Nur hatten die Teilnehmer diesmal vorher die Auswahl welcher Gruppe sie beitreten wollten und 66% haben sich für die Entscheidungsfreiheit entschieden, die sie im Endeffekt unglücklich gemacht hat.

Gilberts Fazit:

Wir sollten weiterhin unsere „Simulatoren“ benutzen um zu entscheiden, was uns glücklicher macht. Aber wir sollten akzeptieren, dass es nicht immer klappt und unsere Jagd nach natürlichem Glück beherrschen, damit sie uns nicht beherrscht. Aus unseren Wünschen und Sorgen können nämlich die negativsten Eigenschaften entstehen, wenn man sie nicht zügelt. Menschen morden, stehlen und betrügen nur aus der Motivation heraus, dass sie glücklicher werden, wenn sie erst erreicht haben, wonach sie streben.

Mein Fazit:

Dito. Ausnahmsweise habe ich nichts dazu zu sagen. Ich gebe Gilbert einfach völlig Recht und sehe keine Möglichkeit seine Thesen durch meinen Senf besser zu machen. 🙂

 

Gruß

Anton Jonas

 

p.s.:

Ja, den Titel habe ich tatsächlich nur gewählt, um das Wortspiel machen zu können. 🙂

 

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