Philosophie

Ein Plädoyer für das tägliche Journal

Nach den 24 inputfreien Stunden habe ich mir angewöhnt, zum Aufwärmen einfach drauflos zu schreiben. Eines Tages hat sich aus diesem Rumgeschreibe folgender Artikel ergeben:

Es wird wieder Zeit sich warm zuschreiben. Der Gedanke Dinge nur für mich aufzuschreiben und nie wieder zu lesen kommt mir sehr verschwenderisch vor. Vielleicht lassen sich diese sinnlosen Gedanken auch in Tagebuchartikel umwandeln, aber alleine schon die Tatsache, dass es mir hilft meine Gedanken zu fokussieren( hier muss es eine bessere Formulierung geben, aber sie fällt mir nicht ein) und Momentum aufzunehmen, was das Schreiben angeht, sollte Grund genug sein um weiterzumachen.

Flüchtige Gedanken, die sonst in Sekundenbruchteilen verfliegen, verweilen solange in meinem Kopf, bis sie aufgeschrieben sind. Es fühlt sich an als wäre ich ein Angler, der die interessantesten Gedanken herausfischt und in ein Aquarium schmeisst. Mit der Zeit werden die interessanten Gedanken häufiger und das Chaos in meinem Kopf findet seine Ordnung.

Meditation hat mir bereits geholfen unnötige und negative Gedanken verhungern zu lassen, indem ich ihnen keine Aufmerksamkeit schenke, aber das Schreiben ist ein viel bewussterer Prozess, der mich auch erlaubt die guten und interessanten Gedanken zu fixieren. Etwas das aufgeschrieben worden ist, bleibt deutlich länger im Gedächtnis als ein flüchtiger Gedanke, den man aus dem Gedankensumpf fischen muss, wenn man ihn braucht.

Diese „Schreibübung“ hat eine interessante Wendung genommen. Ich werde sie entweder in einen Artikel genannt „Warum jeder ein Tagebuch haben sollte“ ummünzen oder komplett unverändert als Tagebuchartikel veröffentlichen. Auf jeden Fall habe ich mich selbst davon überzeugt, mit dem Aufschreiben zufälliger Gedanken als Warm Up nicht aufzuhören. Als ich mit dem ersten Gedanken begonnen habe, erwartete ich noch eine zusammengewürfelte Aneinanderreihung verworrener Gedanken, aber jeder Gedanke ergab den nächsten und jetzt sieht es fast so als als hätte ich es so geplant.

Hier kommt mir wohl zu gute, dass ich im Deutschunterricht nie wirklich verstanden habe, was eine Analyse ist und einfach meine Gedanken zum Text aufgeschrieben habe, in der Hoffnung, dass am Ende etwas herauskommt, was einer durchdachten und gründlichen Analyse ähnelt. Bis auf eine fünf in der achten Klasse ( Danke Frau Schmidt!) ist dabei fast immer eine zwei oder drei herausgekommen. Es ist wirklich faszinierend, wie Gedanken automatisch aneinander anknüpfen, wenn man sie solange im Kopf behält, wie es dauert sie per Hand niederzuschreiben. An der Tastatur wird mir meine flinke Hand wahrscheinlich zum Verhängnis. Es würde mich nicht überraschen, wenn ich schneller tippe als ich rede, denn selbst beim Reden nehme ich mir die Zeit zu überlegen ob und welche Emotionen ich im Ton mitschwingen lasse, während das Tippen sich anfühlt als würde ich gedankenlos Worte auskotzen. Ich glaube das ist eine wunderschöne Metapher um mein Plädoyer für das handschriftliche Schreiben zu beenden.

 

Gruß

Anton Jonas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.