Philosophie

Die Angst vor dem Bekannten (Was ich von „Dune“ gelernt habe)

Foto von Brooklyn Morgan
Foto von Brooklyn Morgan

Die Bücherserie „Dune“ ist für ihre riesigen Sandwürmer bekannt und für den blauen Wundersand „Spice“, der magische Kräfte haben soll.  Leute die viel Spice zu sich genommen haben, bekamen Halluzinationen, die sich später als Visionen herausgestellt haben.Eine weitere Nebenwirkung war es den Alterungsprozess drastisch zu verlangsamen. In späteren Büchern gab es einen Protagonisten, der es mit dem Spice soweit getrieben hat, dass sein Körper sich langsam in einen der oben erwähnten Sandwürmer verwandelt hat und er war in der Lage diese Visionen jederzeit abzurufen. Er hat das nicht getan, weil es so ein tolles Gefühl ist unsterblich Zukunft,Gegenwart und Vergangenheit zu kennen, sondern als Märtyrer. Es war eine schreckliche Qual für ihn, tausende Jahre vor und hinter sich gucken zu können. Und um diese Qual auszudrücken, hat er etwas gesagt, was bei mir bis heute hängen geblieben ist. „Wenn man die Zukunft genauso klar sieht, wie die Vergangenheit, wofür lebt man dann noch?“

Da ich meditiere, würde ich dem wahrscheinlich mit einem abfälligen „Gegenwart“ begegnen, aber es ist ein interessanter Punkt in der Gestaltung der Zukunft. Für Paul Atreides (der Sandwurm-Mensch…) war der Spieleinsatz natürlich ein wenig heftiger als für uns, schließlich hat er den Untergang der gesamten Menschheit vorhergesehen , wann immer er die Konsequenzen seiner Entscheidungen in der Zukunft sehen konnte. Das Ergebnis seines Dilemmas war es, jede Entscheidung zu treffen, deren Konsequenzen selbst für ihn nicht absehbar waren. Damit wurde er  kurzfristig zum Tyrannen, aber er sicherte das Bestehen der Menschheit.

Was ich daraus gelernt habe ist, dass man beim Planen, versuchen sollte das Unbekannte zu suchen, statt sein Leben mit Dingen zu füllen, die man bereits kennt. Es gibt auf der einen Seite, die Routine, die ich mit Artikeln über Gewohnheitsbildung predige, aber auf der anderen Seite, profitiert man nur von diesen Routinen, wenn man sie nutzt, um neue Dinge zu lernen, neue Gefühle zu entdecken und neue Erlebnisse zu spüren.

Es gibt viele kleine Entscheidungen, die sicher sind, aber keine neuen Gelegenheiten und Erlebnisse gönnen. Wer zu Hause bleibt, weiß genau, was ihn erwartet, aber wer heraus geht, LERNT und LEBT stattdessen.

Ich schreibe das Ganze auch keineswegs von oben herab. Ich bin ein Musterbeispiel an Langeweile und Alltag. Ich habe tausende Gelegenheiten an mir vorbeiziehen lassen, weil ich nicht vorhersehen konnte, welche Konsequenzen es haben könnte. Ich bin nicht auf Parties gegangen, weil ich nicht wusste wer kommt. Ich habe jahrelang ungesund gegessen, weil ich nicht sicher war, ob gesundes Essen, denn wirklich hilft. Ich hab darauf verzichtet zu sagen, was ich denke, wenn ich mir nicht sicher war, wie jemand reagiert oder ob es denn auch exakt so ankommt, wie ich es meine.

Wenn ich euch also sage: Geht raus und sucht das Unbekannte, sage ich das in vollem Bewusstsein, dass ich es genauso laut zu mir selbst sagen sollte. Wenn mich in einem Jahr jemand auf diesen Artikel anspricht, hoffe ich wirklich sagen zu können: „Pff, das veraltete Ding. Da musste ich mich noch selbst dazu überwinden, neue Dinge in mein Leben zu lassen und auszuprobieren. Ich war so ein Langweiler. Das würde ich heute niemals so schreiben.“

 

Gruß

Anton Jonas

 

P.S.:

Ja das ist einer von diesen Artikeln, die ich aus einer spontanen Laune heraus in einem Stück verfasse und in die Blogosphäre schieße, ohne lange zu überlegen, wie hübsch er anzuschauen ist und wie gut er sich lesen lässt. Das sind die Artikel, die mir am meisten Spaß machen, obwohl kein Mensch sie zu lesen scheint.

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