Philosophie

Atheismus ist überbewertet. Der Menschen ist kein rationales Wesen.

Ich enthalte mich in diesem Artikel vorerst, zum Thema Religion. Ich habe ein sehr spezielles Weltbild. Ich bin keiner von den Leuten, die sagen
„Ich weiß es nicht, Mann! Es muss einfach etwas Größeres geben als uns! Ich spüre es!“ Aber unwichtig! Mehr sage ich zu mir nicht.
Heute möchte ich mich gegen den Atheismus stellen.

Religion ist veraltet. Eine verkrustete Struktur, die Rückhalt für Pädophile und Hassprediger bietet. Menschen werden ständig im Namen von Religion getötet.
Menschen werden ständig im Namen von Religion missbraucht und verletzt. Das kann man nicht wegdiskutieren. Das kann man nicht entschuldigen.
Ich möchte auch keine Religion ausschließen. In buddhistischen Tempeln passieren genau so schreckliche Dinge, wie in katholischen Kirchen und
muslimischen Moscheen. Noch schlimmere Dinge passieren außerhalb im Namen dieser Religionen.

Atheistische Kriege sind aber auch nicht seltener. Atheistische Monster sind nicht weniger brutal als religiöse Monster. Der Mensch ist ein Monster.
Wir haben alle in uns ein Monster, dass gebändigt werden muss und ein gewisser Prozentsatz der Menschen, wird an diesem Prozess zugrunde gehen und
vom Monster komplett verschlungen.

Wir müssen uns eingestehen, dass die meisten von uns Nazis gewesen wären, wenn wir 1925 in Deutschland geboren wären.
Die meisten von uns würden Beifall klatschen, während die Kommunisten alle Grundbesitzer aus ihren winzigen Bauernhöfen verjagten und mittellos
in die Tundra verschifften, wären wir zur passenden Zeit in der Sowjetunion geboren. Wir alle haben eine dunkle Seite. Das äußert sich immer wieder
auf gesellschaftlichen Ebenen als auch auf persönlichen Ebenen.

Zum Reifeprozess gehört es, zu verstehen, dass jeder Mensch eine dunkle Seite hat. Der Kampf gegen diese Seite ist ein andauernder Prozess, den wir
Menschen deutlich besser händeln können als jedes andere Tier. Jedes Tier hat soziale Hierarchien. Ein Fuchs wird kein Pferd angreifen, nur weil er
Hunger hat. Ein Löwe wird kein Weibchen begatten, wenn er nicht das Alphatier im Rudel ist. Tiere die ihre dunkle Seite nicht beherrschen sterben. Menschen,
die ihre dunkle Seite nicht beherrschen, sterben „nur“ den sozialen Tod. Sie werden geächtet. Gehasst! Als Antivorbild hochgehalten, damit jeder sieht, dass
wir anders sind. Es stärkt Menschen im Kampf gegen die dunkle Seite, wenn sie sehen, zu welchen schrecklichen Dingen andere Menschen fähig sind.

Es stärkt sie im moralischen Kampf, wenn sie sehen, welche Konsequenzen diese Menschen tragen mussten. Früher gab es den Pranger.
Heute gibt es den Shitstorm auf sozialen Medien. Wichtig ist: Unsere Gesellschaft arbeitet ständig weiter daran, sich moralisch zu entwickeln.
Im Moment bin ich nicht sicher, ob die Gesellschaft in die richtige Richtung driftet. Wir verhalten uns in der Öffentlichkeit wie Heilige. Wir sind alle
tolerant und gute Gastgeber. Wir wollen alle integrieren und ihnen ihre Religionsfreiheit schenken. Aber wir wägen nicht mehr jeden Fall einzeln ab.
Es ist wichtiger nicht als Nazi dazustehen, als abzuwägen, ob ein Flüchtling vielleicht ins Gefängnis gehört, wenn er mit drei 12-jährigen Mädchen
verheiratet ist und mit ihnen ein Zimmer teilt.

Ein Riesenproblem zeigen momentan schwule Flüchtlinge auf. Sie sind tatsächlich geflohen, um der
politischen Verfolgung zu entkommen. Jetzt werden sie aber mit ihren Peinigern zusammen im selben Heim aufgenommen und kein deutscher Offizieller traut sich
das Problem anzusprechen, geschweige denn zu lösen, weil er ja als Nazi gebrandmarkt wird, wenn er in der Öffentlichkeit zugibt, dass die meisten Flüchtlinge
unsere moralischen Werte nicht teilen und schwulenfeindlich sind. Einige Leser habe ich eben verloren, nur weil ich das Wort Flüchtlinge in den Mund
genommen habe.

Meine Meinung ist einfach: Wir sollten Flüchtlinge nicht mit anderen Maßstäben messen als unsere eigenen Einwohner. Wenn ich jemanden bedrohe, weil er eine
Karikatur malt, dann gehöre ich bestraft. Wenn ich versuche minderjährige zu heiraten,gehöre ich bestraft. Wenn ich gegen das Vermummungsgesetz verstoße,
gehöre ich bestraft.(Gruß nach Hamburg zum G20-Gipfel) Toleranz ist für außergesetzliche Dinge. Es ist nicht intolerant,
unsere Werte umzusetzen, indem wir unsere Gesetze ausüben. Dafür sind Gesetze da. Gesetze spiegeln unsere Gesellschaft wider und Integration geht nur,
wenn wir diese auch umsetzen. Ich fühle mich unwohl, wenn ich Menschen sehe, die außergesetzlich behandelt werden. Ich fühle mich NICHT UNWOHL, wenn
ich Menschen sehe, die anders aussehen als ich.

Aber das ist nicht der Punkt dieser Unterhaltung. Der Mensch ist ein Wesen, das nach Moral strebt. Wir wollen uns ständig verbessern. Wir wollen die
Gesellschaft ständig verbessern. Aber Verbesserung gibt es nur, wenn man die dunklen Seiten anerkennt und an ihnen arbeitet. Moderner Atheismus
basiert auf Rationalität. Man klärt die Leute auf und verlässt sich darauf, dass sie rationale Entscheidungen treffen. Schließlich sind wir alle
rationale Wesen. Wir können uns nur an wenige Entscheidungen erinnern ,die wir nicht rationalisiert haben. Problem daran ist: Wir haben sie rationalisiert,
NACHDEM wir sie getroffen haben. Wir hören auf unser Bauchgefühl. Wir spüren, was richtig ist und dann suchen wir nach einer Erklärung.

Das ist keine Theorie die ich habe. Das ist kein Gefühl. Das ist Fakt. Es wird jedem Jurastudenten in jeder Übung und jedem Fallbeispiel
beigebracht, erst die möglichen Optionen vorzustellen, bevor man dann aussucht, was die richtige Entscheidung ist. Und die Definition von richtige
Entscheidung ist, die eigene Meinung. Man wird darin bekräftigt die richtige Meinung separat von der herrschenden Meinung darzustellen. Was momentan
herrscht, stellt nicht das Ziel dar. Jeder Jurist soll seine eigene Moral einfließen lassen und das Gesetz demnach auslegen. ( Wir reden hier von einem
sehr kleinen Spielraum und letztendlich sind sich die meisten Leute in den meisten Dingen einig. Ich möchte nicht den Eindruck hinterlassen, das Gesetz
wäre pure Gefühlssache und komplett abhängig von der Laune ihrer Praktizierenden)

Unser Bauchgefühl trifft die meisten unserer Entscheidungen und unser Bauchgefühl wird von unseren Erfahrungen beeinflusst. Wenn man Carl Gustav Jung
glaubt, nicht nur von unseren Erfahrungen und sondern auch von denen unserer Vorfahren. Wir Menschen haben alle dieselbe Herkunft. Wir haben dieselben
Bilder und Archetypen in unserem Kopf und wir erzählen seit Jahrtausenden immer wieder dieselben Geschichten. Es gibt Väter,Mütter,Krieger,Heiler,
Helden,Monster,Bösewichte. Jede Geschichte lässt sich auf die „Hero’s Journey“ (Buch von Joseph Campbell) reduzieren.
Mit der Wahrheit bewaffent ziehen wir los, erleben diverse Abenteuer treffen diverse Archetypen bis wir dem Monster seinen Schatz stehlen
oder das Monster töten. Dann kehren wir zurück in den Status Quo, haben uns aber für immer verändert.
Diese Geschichte wird seit Jahrtausenden erzählt, weil Menschen eben nicht rational sind. Es trifft tief in an einen Punkt, den man rational nicht
erklären kann. Sie trifft alle Menschen. Wer sich da ausschließt hat vergessen, dass er ein Mensch ist und braucht die Geschichte noch dringender
als alle anderen.

Jetzt komme ich zurück zur Religion. Die Religion in Deutschland ist nicht mehr das was sie einmal war. Die Pfarrer(Priester,Pastoren wie auch immer
sie heißen) halten uns selten Standpauken über Kondome oder Abstinenz. Sie machen uns kein schlechtes Gewissen. Die meisten Gottesdienste erinnern uns
an unsere Menschlichkeit. Genau wie die Bibel selbst, erinnern uns Gottesdienste einfach an Archetypen und tief verankerte mythologische Bilder in
unserem Kopf. Die Hauptaufgabe der heutigen Kirche ist es, uns zu erden und moralische Werte zu vertiefen. Die meisten Religionen (Eigentlich alle,
aber ich will in eurem Hinterkopf die Option offenlassen, dass EURE Kirche natürlich eine andere ist. Ich bin kein Fan davon gelyncht zu werden)
bedürfen einer Generalüberholung. Die meisten religiösen Regeln sind einfach veraltet und nicht mehr auf die Gegenwart anwendbar. Aber die
Geschichten aus ihren religiösen Schriften, erinnern uns an unsere Menschlichkeit.
Sie erzählen von Zeiten, in denen wir Heiler,Krieger,Könige und Sklaven waren.
Und das ist genau das was uns fehlt, wenn wir alleine und anonym im Großstadtjungle überleben wollen, ohne von unseren inneren Monstern
verschlungen zu werden.

Es ist selbstverständlich möglich ohne Religion ein moralisch wertvoller Mensch zu sein. Auf eine Skala von 1 zu 90 Millionen wird es den meisten
Menschen gut tun, an gewisse Werte erinnert zu werden, denen man im Fernsehen nicht alltäglich begegnet. In einer Zeit der Isolation, würde uns eine
Gemeinde gut tun. Wer keinen positiven Einfluss mehr braucht, weil er ein derartig tolles Vorbild ist, sollte Verantwortung übernehmen, um seine
Werte zu verbreiten. Entweder braucht ihr also Religion oder Religion braucht euch.

P.S:
Ich bin ein Heuchler. Ich bin noch sehr weit entfernt davon zu praktizieren, was ich hier predige. Eines Tages wird sich das ändern! Versprochen.

P.P.S.:

Falls es euch nicht aufgefallen ist. ob es Gott,Shiva oder Allah gibt, interessiert mich nicht. Der Glaube ist nützlich, wenn er tolerant praktiziert wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.