Philosophie

Alt oder modern?

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Schreiben mit der Hand? Verrückt!

Wer sein Telefon heute noch zum Telefonieren benutzt ist ein Urgestein. Wer auf ein Konzert geht ohne ein Video zu mache oder eine Berühmtheit trifft ohne einen Selfie mit ihr zu machen, hat seine ganze Facebookgemeinde enttäuscht oder zumindest eine Gelegenheit verpasst sich zu profilieren. Als meine Nichte SuperRTL geguckt hat ( Ich gucke alleine kein SuperRTL, ich schwöre!! Ich bin viel zu reif und erwachsen!) wurde Barbie mit einem „Selfiesamstag“ beworben. Kurz: Die Welt hat sich in den letzten 10 Jahren unheimlich verändert und zwar zum Guten. Wer erwartet hat, dass ich hier über diese freche Jugend und die gute alte Zeit siniere muss sich verlaufen haben. Aber meine Schreibausbeute am inputfreien Tag hat mir deutlich gemacht, dass gewisse Dinge auf altmodische Art und Weise deutlich unterhaltsamer und leichter von der Hand gehen. Während ich eine Word-Datei den ganzen Tag geöffnet haben kann, ohne auch nur eine Seite mit Text zu füllen, können Stift und Papier mir haufenweise Ideen und Gedanken entlocken und mir dabei auch noch ein gutes Gefühl geben. Ich bin nicht ausgelaugt und ich muss Gedankenfäden nicht ständig neu beginnen, weil mir etwas eingefallen ist, was ich dringend checken muss. Schreiben ist nicht das einzige, was früher mehr Spaß gemacht hat.

Bücher zum anfassen!

Lesen mit meinem Sony-Reader ist deutlich günstiger, handlicher und umweltschonender, aber ich habe meistens 3-4 Bücher, die ich parallel lese und wenn mich jemand fragt „was liest du gerade?“ fällt mir oft nicht einmal der Titel ein, weil ich nie im Leben den Umschlag gesehen habe und mein Reader beim Öffnen sofort zum Weiterlesen auf Seite 321 springt. Mein Verhältnis zu Büchern ist sehr oberflächlich und undankbar geworden. Gerade gratis Bücher geben mir selten das Gefühl sie zu Ende lesen zu müssen und ein Buch muss extrem gut geschrieben sein, damit ich heute noch in seiner Welt versinken kann.

Augenkontakt beim Reden? Ih!

Moderne Kommunikation ist für introvertierte Menschen wie mich gleichzeitig eine Erleichterung, weil wir Dinge mit kurzen Nachrichten sagen können, und eine Last, weil wir immer erreichbar sind. Jedes mal, wenn wir nicht antworten oder abheben, haben wir jemanden enttäuscht oder beleidigt. Da die meisten Medien mittlerweile gratis sind, ist es auch unmöglich ein Gespräch zu beenden ohne einen guten Grund liefern zu können. Aber auch meine extrovertierte Seite ist nicht glücklich mit der Moderne. Es gibt Menschen (Okay hauptsächlich Menschinnen), denen möchte man in die Augen sehen, wenn man mit ihnen redet. Man will sehen, wann sie sich freuen, wann sie traurig sind und man will seine eigenen Gefühle über Mimik mit ihnen teilen. Aber selbst moderne Skypegespräche wirken im Vergleich zur Realität künstlich und hölzern. Speziell weil man jemandem nicht in die Augen gucken kann, wenn er auf den Monitor guckt statt in die Kamera. Klingt kompliziert, aber was ich meine ist, dass immer nur ein Mensch in die Augen des anderen gucken kann, weil derjenige dafür in die kalte tote schwarze Kameralinse starren muss.

Essen ist nicht mehr das, was es einmal war…

Ernährung ist ein weiterer Bereich in dem man für jeden Fortschritt auch einen Schritt zurück gemacht hat. Im Streben nach höheren und günstigeren Kalorienzahlen hat man Nährstoffe und Gesundheit vernachlässigt. Man packt Lebensmittel nicht nur voller leerer Kalorien (inklusive Cellulose also Holz/Papier) und ungesunder Geschmacksverstärker, man macht auch die altbewährten Lebensmittel kaputt. Zwar bin ich nicht völlig gegen genetisch veränderte Lebensmittel und Pestizide, allerdings haben dies Techniken Ausmaße erreicht, die globale Auswirkungen haben. Genetisch veränderte Lebensmittel haben oft deutlich weniger Nährstoffe ( 60-70% des alten Wertes, glaube ich gelesen zu haben) und Pestizide sind nicht so spezifisch, wie wir glauben. Sie beschädigen nicht nur die Natur mit ihren lebenswichtigen Bestäubern (Bienen,Schmetterlinge), sie haben auch nach gründlichstem Wachen negative Auswirkungen auf die Menschen, die sie verzehren. Im Zweifel würde ich frisches Obst/Gemüse den leeren Kalorien aus plastikverpackten Fertiggerichten vorziehen, aber wer das Geld hat, sollte nach BIO- Alternativen mit weniger Pestiziden suchen.

Gruß

Anton Jonas

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